Foto von Helmut Ament's Buch

Tja, wer ist das? Helmut Ament gehört zu der Gruppe der selbsternannten Erfolgscoachs, welche kostenpflichtige Internet und Printangebote und/oder Live-Seminare anbieten, die einem dabei helfen sollen, im Leben erfolgreicher zu werden.

Ament ist Österreicher, Mitte/Ende 50 und gelernter Industriekaufmann. Nachdem er sich schon früh mit Strukturvertrieb beschäftigte, machte sich Ament selbstständig und vertrieb bis Ende der 80er Jahre (Fern-)Lehrgänge, welche das Bewusstsein der Teilnehmer erweitern sollten. Folgerichtig nannte er seinen Fernkurs „BEP“ (Bewusstseins-Erweiterungs-Programm). Zudem hielt er auch Live-Seminare.

Laut dem Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ offenbarte Helmut Ament seinen Zuhörern „kosmische Gesetze, geheimes Wissen“ und verhieß „Glück, Erfolg und Reichtum. Jahrelang zog HJA, wie Ament sich gern kürzelt, im goldenen Rolls-Royce durch die Lande, um solche Sprüche zu klopfen und um Kunden zu fangen.“ Laut Spiegel war BEP „ein eher konfuses Sammelsurium von Astrologie, über Bio-Magnetismus, Reinkarnation bis hin zu Telepathie und anderem Psy-pa-po, mit anrüchigen Management-Praktiken.“ (Zitate aus „Der Spiegel“, Ausgabe 36/1986; nachzulesen unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518561.html)

Ament soll damals behauptet haben, seinen BEP-Lehrgang 20.000 mal für jeweils 1.000 D-Mark verkauft zu haben. Nicht schlecht! Das ist mal richtig Schotter. 20 Million! Wenn das stimmt, hat Ament vieles richtig gemacht.

Das Vertriebssystem für diese BEP Kurse soll heftig gewesen sein. Ament’s Vertreibsleute mussten die Programme zunächst selbst für sehr viel Geld von Ament kaufen, wurden die Programme dann aber zum Teil nicht mehr an Kunden los. Mehrere geschädigte ehemalige Vetriebsmitarbeiter klagten daher vor dem Landgericht Frankfurt. Ob Ament in diesem Verfahren wegen sittenwidriger progressiver Kundenwerbung verurteilt wiurde, kann der Verfasser nicht eindeutig sagen.

Laut einem Bericht von Dr. Hansjörg Hemminger, einem Beauftragten der evangelischen Landeskirche Würtenberg aus dem Jahre 2004 kam das Landgericht Frankfurt (Zitat:) zu der „Auffassung, dass ‚bep‘ die Kläger vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt habe, weil man ein unzulässiges Vertriebssystem errichtet habe…“ Der Autor eines weiteren Berichts, Hans Übler, kommt 1987 zu dem Urteil, „…dass hier mit besten Marketingmethoden Marktnischen ausgesucht und ausgenutzt werden und gutgläubige Menschen nicht nur Geld, sondern auch inneres Engagement und Zeit verlieren. Gewinner sind hier immer nur wenige: die, die längst in den oberen Etagen regieren. Auf der Strecke bleiben wieder einmal, wie so oft, die Erfolglosen, denen nur noch der Traum vom schnellen Glück und Geld bleibt.“ (Quelle: http://www.weltanschauungsbeauftragte.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_weltanschauungsbeauftragte/DoksH-N/Humanpower_AG.pdf). Laut dem vorgenannten Bericht des Beauftragten der evangelischen Kirche wurde (Zitat:) „bep als ‚Hersteller und Vertreiber dieser esoterischer Literatur“ zu 48 000 DM Schadensersatz verurteilt.“ (Quelle wie vor).

Ament selbst behauptet und legt Wert darauf, dass lediglich richtig sei, dass er verklagt wurde, dass es jedoch nie zu einem Urteil kam, weil er sich vorher mit den Klägern verglichen habe. Es hätte zuvor ledigleich eine Arrestentscheidung gegen ihn gegeben, weil er bereits im Ausland gelebt habe und so sichergestellt werden sollte, dass Gelder im Land bleiben. Diese Arrestentscheidung sei später jedoch aufgehoben worden. Ament hat dem Verfasser auch Kopien von verschiedenen Schriftstücken übermittelt, welches diesen Schluss zulassen. Der Verfasser kann jedoch nicht feststellen, ob diese Dokumente zu dem Verfahren gehören, welches im Spiegel und von Dr. Hemminger beschrieben wird.

Aber Sittenwidrigkeit und Verurteilung (oder eben nicht) hin oder her, bei Helmut Ament wird schon noch was hängen geblieben sein. Davon gehe ich aus.

Etwa zur gleichen Zeit gründete Ament noch die Firma »United Human Organisation« (UNH) und „bot eine Berufsausbildung zum diplomierten Kosmologen an und wollte bis zum Jahr 2000 in der Schweiz »Terrania-City« bauen, einen Milliarden-Neubau ganz nach den Ausmaßen der Cheops-Pyramide. Ein Sektenexperte betrachtete UNH damals als »Psychokultorganisation mit Versatzstücken aus Okkultismus und Scientology“ (Zitat aus Bärbel Schwertfeger, „Die Bluff Gesellschaft“; http://de.scribd.com/doc/28572759/Die-Bluff-Gesellschaft)

Terrania-City!… Ui!… Wer da wohl Chef geworden wäre… 😀

Anyway, hiernach verdiente Helmut Ament sein Geld wieder vornehmlich mit der Entwicklung und dem Vertrieb von weiteren Fernlehrgängen mit Titeln wie „Esoterische Einweihung“ oder „die universellen Gesetze des Erfolges“. Zunächst wurden die Lehrgangsdokumente postalisch verschickt, später auch EDV basiert angeboten.

Heutzutage vermarktet Ament vor allem einen kostenpflichtigen Newsletter. Es handelt sich dabei um ein 4 monatiges Programm, welches einem ebenfalls zu Erfolg im Leben verhelfen soll. Helmut bleibt seinem Geschäftsmodel offensichtlich treu. Das muss wirklich lukrativ sein.

Eine Marketingmasche von Ament ist, dass er den Leuten den Eindruck vermittelt, dass es sich um persönliche Newsletter, bzw. um ein persönliches Programm handelt, welches individuell auf den jeweiligen Abonnenten zugeschnitten ist. So kommen seine Werbebotschaften zumindest bei mir an.

Da die ersten 14 Tage des Newsletter-Programms kostenlos sind. Habe ich ihn probehalber abonniert. Und zwar gleich noch ein zweites mal mit einem Phantasienamen. Die Texte die übermittelt wurden, bzw. die Newsletter sind identisch. Von einer Individualisierung kann keine Rede sein.
Die übermittelten Inhalte sind nach meiner Meinung zudem ziemlich belanglos. Für mich handelt es sich um geheimnistuerische Scharfmacher, welche einen verführen sollen, weiter am Ball zu bleiben, um weitere Newsletter kostenpflichtig zu beziehen.

Die Letter enthalten Allerweltswissen und ein paar Sachen, welche man schon bei Clason, Hill oder Carnegy oder eben auch bei „Coach Dich selbst sonst coacht Dich keiner“ nachlesen konnte. Man findet die Inhalte zum Teil auch in „Die Gesetze der Gewinner“ von Bodo Schäfer. Das Ganze ist dann noch esoterisch angehaucht, frei nach dem Motto Glaube fest an etwas, dann wird es wahr, denn wie schreibt Helmut Ament so schön in seinem Newsletter Nr. 14: „unser Leben ist eine energetische Spiegelung unseres Denkens, unserer Überzeugung, unseres Glaubens“….Tschacka!

Die kostenlose Newsletter Testphase ist zwischenzeitlich abgelaufen. Ich bekomme trotzdem noch andauernd Ament-mails, welche mich bewegen sollen die kostenpflichtigen Dienstleitungen von Helmut Ament in Anspruch zu nehmen. Helmut ist halt Geschäftsmann. Fair enough. Damit habe ich kein Problem. Wir wollen alle leben und reich werden, bzw. bleiben.

Besonders hartnäckig bewirbt Helmut Ament bei mir Lizenzen für eine Astrologie-Homepage (Tschacka!) mit der ich Horoskope erstellen und verticken soll. Für 19,95 €/Monat kann ich Aments Konzept benutzen. Wen es interessiert: Hier ein Link zu Helmut’s Astro-Angebot: http://www.astro-concept.info/82/Konzept-Einfuehrung.html

Nachdem ich sein Buch „Erfolg durch Geheimes Wissen“ gelesen und „Das universelle Erfolgsgeheimnis“ (eine nach meiner Meinung pseudo-wissenschaftliche Abhandlung, welche ich als kostenloses ebook gefunden und downgeloaded habe) zumindest quer gelesen habe und auch Helmut Ament’s Newsletter getestet habe, muss ich sagen, dass ich die von Helmut Ament vermittelten Inhalte allesamt für ziemlich dürftig halte.

Nach meiner Einschätzung ist das nichts für das es sich auch nur ansatzweise lohnen würde Geld auszugeben oder Zeit zu investieren. Aber die Geschmäcker sind verschieden…

Helmut Ament als Person muss man aber in jedem Fall neidlos zugestehen, dass er es geschafft hat sich mit seinen Newslettern und Lizenzmodellen eine persönliche Geldmaschiene zuzulegen. So stellt es sich zumindest für mich dar. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute ihm Geld für diese Newsletter überweisen. Er verdient hier bestimmt ne Menge.

Nachdem so ein Produkt ‚Newsletter‘ einmal erstellt ist, verursacht der Versand kaum noch Kosten, egal wie viele Newsletter verschickt werden. Wow, da kommt sicher einiges zusammen. Das nenne ich mal eine profitable passive Einkommensquelle!!!

Und wenn Helmut noch sein Astro-Büdchen vertickt bekommt, verdient er hier noch einige weitere 100k. Da muss man sagen: Daumen hoch! Ne tolle Geschäftsidee! Kostet kaum was und kann ne Menge einbringen.

Wenn er die Lizenzen für die Astro-Bude für ein paar 100k € verscherbelt hat, kann er locker nochmal einige 10k in ein neues ‚Shop-Konzept‘ stecken mit dem er dann wieder einige 100.000 machen kann, usw…. schon sehr cool, wenn so eine Geschäftsidee läuft und dies scheint bei Helmut Ament der Fall zu sein. Rein betriebswirtschaftlich muss man sagen: WOW! Daumen hoch!

Ich habe auch noch einige weitere Presseartikel über Helmut Ament gefunden:

Laut Spiegel (Ausgabe 46/97 – http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8811296.html – weiter unten, Mitte) ist Ament recht kritisch zu betrachten (Zitat): „In Beantwortung zweier parlamentarischer Anfragen aus den Jahren 1995 und 1996 stufte die Bundesregierung ihn [Ament, Anmerk. Der Redaktion] unter dem Stichwort „Sogenannte Jugendsekten und Psychogruppen“ mit seinem „BEP-Bewußtseinserweiterungsprogramm“ als Seelenfänger ein.“

In dem gleichen Spiegel Artikel wird beschrieben, dass in politisch dem rechten Spektrum zuzuordnenden Kreisen, Bücher von Ament nämlich (Zitat:) „Die universellen Gesetze des Erfolges“ und „Esoterische Einweihung“ von Helmut J. Ament beim „Pegastar-Institut für modernes Leben S. A.“ vertrieben wurden und zum Sonderpreis 1188 Mark bezogen werden konnten.“ Das soll kurz vor der Jahrtausendwende gewesen sein. Für Bücher ist/war das echt krass viel Geld. Fairerweise muss man aber erwähnen, dass es selbst in dem Artikel keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass Helmut selbst in der rechten Szene aktiv ist oder so oder speziell in dem in dem Artikel beschriebenen Einzelfall direkt am Vertrieb beteiligt war.

Das Buch „Erfolg durch Geheimes Wissen“ habe ich. Es ist das Buch was ihr auf dem Cover-Bild zu diesem Artikel seht. Ich habe es mal fotografiert. Im Wesentlichen handelt es sich bei dem Buch um eine dünne nichtssagende 80 Seiten kurze Autobiographie von Ament mit Fotos und am Ende sehr viel Werbung für seine beiden Fernlehrgänge „Esoterische Einweihung“ und „Die universellen Gesetze des Erfolges“.

Einen super interessanten Forums-post, in dem auch Helmut Ament selbst zu Wort kommt (wenn er es denn wirklich ist), habe ich noch auf www.gutefrage.net gefunden.

Der Disput ist wirklich köstlich! Ich habe mich wirklich sehr amüsiert. Jeder soll sich jedoch selbst ein Bild über Helmut Ament machen. Für mich persönlich ist Ament nichts, aber er ist definitiv ein begabter Geschäftsmann, der mit sehr sehr wenig, sehr viel verdient zu haben scheint. Das ist auch eine Leistung.

Zum Weiterlesen:
Follow up zu Helmut Ament und seinen Newslettern (ein Nachtrag zu diesem Post)
Wer ist eigentlich dieser Bodo Schäfer?
Lust auf ein passives Einkommen?
Reich werden trotz Schulden?