Liebe Leser von MMUI! Gerade bei Geldanlagen muss man viel lernen, oftmals muss man leider auch Lehrgeld bezahlen. Ich möchte Euch mit diesem mehrteiligen Gastbeitrag ein wenig an meinen Erfahrungen und Plänen teilhaben lassen. Vielleicht hat der eine oder andere ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich würde mich freuen, wenn meine Offenheit und Mühe mit konstruktivem Feedback und Anregungen bedacht würde.

Ein Ruck muss durchs Depot gehen.

Teil 2: Analyse

In Teil 1 meines Berichtes habe ich darüber berichtet, dass ich über die bisherige Wertentwicklung meines Fondsdepots sehr enttäuscht bin. Ich habe die Sache analysiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass gleich mehrere Umstände dazu geführt haben, dass die Wertentwicklung deutlich unter den Erwartungen geblieben ist:

Die eher konservativen Indizes wie z. B. der Dax haben sich seit dem Jahr 2000 nicht mehr wirklich nach oben entwickelt. So markierte der Dax bereits am 07.03.2000, also vor über 10 ½ Jahren einen Stand von 8064 Punkte, um dann bis zum 13.03.2003 langsam aber sicher auf 2354 Punkte (Irakkrieg) zu fallen. Erholung bis zum 28.12.2007 auf 8067 Punkte und dank Finanzkrise wieder runter auf 3666 Punkte (06.03.2009). Heute stehen wir bei knapp über 7000 Punkte. Kann man sich in den Langzeitcharts wunderbar ansehen. Ich empfehle, sich damit einmal zu beschäftigen. Von 1990 bis 1997 zeigte der DAX noch ein ganz anderes, wesentlich stabileres Verhalten. Danach wurde irgendwie alles anders. Ein wildes Auf und Ab folgte bis zum heutigen Tage. Konservative Fonds wie zum Beispiel der DWS Vermögensbildungsfonds I (WKN 847652), der Threadneedle Global Select Fund (WKN 987677) oder auch der Plusfonds (WKN 847108) machen eigentlich nichts anderes, als mit etwas mehr oder weniger Performance mit
den großen Indizes mitzuhoppeln. In der ganzen Zeit habe ich brav und regelmäßig monatlich Anteile diverser Fonds gekauft. Zu einem großen Teil eher konservative Aktienfonds, keine hochspekulativen Dinger.

Nun habe ich mir die Auswirkungen des allseits gelobten Cost-Average-Effektes näher angesehen. Ich habe hierzu zunächst den DAX genauer betrachtet, da dieser – wie bereits ausgeführt – eine gewisse Korrelation zu den gängigen konservativen Aktienfonds besitzt. Der Durchschnittskurs aller Tagesschlusswerte des DAX vom 08.12.2005 bis zum 07.12.2010 beträgt genau 6127 Punkte. Diesen Fünfjahreszeitraum habe ich gewählt, da ich ja auch die Wertentwicklung meines Depots in den letzten fünf Jahren moniere. Der Durchschnitt aller Schlusskurse des Daxes in diesem Zeitraum betrug 6127 Punkte. Wenn ich nun die 6127 Punkt mit sage und schreibe 3% p.a. verzinse (zuzüglich Zinseszins) erhalte ich 6127 x 1,035 = 7103 Punkte. Ich weiß, dass diese Berechnungsform nicht hochwissenschaftlich ist und auch ein wenig hinkt. Aber mir persönlich reicht sie aus, um klare Tendenzen zu erkennen. Im Grunde genommen habe ich in den letzten Jahren also permanent zu einem (gedachten) DAX-Stand von
6127 Punkten eingekauft. Interessant finde ich jedenfalls, dass der DAX sich aktuell bei 7000 bewegt und ich in der Rechnung mit 3% einen Stand von 7103 Punkten ausgerechnet habe. Schließlich hat mein Depot eine Wertentwicklung unter 3% ! Für die Skeptiker: Wir machen das Ganze noch für den Zeitraum 08.12.2000 bis zum 07.12.2010: DAX-Durchschnitt: 5234 Punkte. 5234 x 1,0310 = 7034 Punkte. Also komme ich auch hier auf eine Verzinsung von rund 3%. Ich habe diese Tests im Übrigen auch mit den einzelnen Fonds gemacht. Im wesentlichen bestätigte sich das auch hier. Damit habe ich die erste und größte Ursache für das schlechte Abschneiden des Depots ausgemacht: Die Buy-and-hold-Strategie hat sich in Verbindung mit dem Sparplan in den letzten Jahren überhaupt nicht gelohnt, weil sich die großen Leitindizes und damit auch die konservativen Fonds effektiv nur seitwärts bewegt haben. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn der Markt sich kontinuierlich (wenn auch langsam und mit Auf
und Ab) nach oben bewegt hätte. Durch die buy-and-hold-Strategie habe ich sogar mehrere Chancen verpasst, zu echten Tiefständen w i r k l i c h b i l l i g einzukaufen. Ich hoffe, die Rechnerei macht niemanden schwindelig. Damit geht’s in den nächsten Teilen aber noch fröhlich weiter, wobei ich mich im Übrigen auf „bodenständige“ Berechnungen ohne Logarithmen und sonstigem Zipp und Zapp beschränke.

Die zweite Ursache liegt darin begründet, dass ab Anfang 2008 die monatliche Sparrate etwas zurückgefahren werden musste. Die dann bis März 2009 anhaltende „Billigphase“ konnte damit nicht so stark ausgenutzt werden wie es mit den vorher für den Sparplan zur Verfügung stehenden Mitteln möglich gewesen wäre.


Die dritte Ursache war auch schnell ausgemacht: Zwei Fonds haben sich während der Gesamtlaufzeit so schlecht entwickelt, dass sie nicht einmal den entsprechenden Vergleichsindex schlagen konnten. Dat kann ich auch. Dafür muss ich kein Fondsmanager sein. Ich habe das aber lange Zeit in Kauf genommen. Hier ist die Psychofalle zugeschnappt nach dem Motto „Es wird schon wieder“. Eine sehr teure Form von Gutgläubigkeit.

Die vierte Ursache war, dass ich auf Grund meines festen Glauben an die „Autopilotenfunktion“ meines Fondsdepots dieses nicht wirklich aktiv gemanagt habe. Auch hier eine Form von Gutgläubigkeit.

Die erste, dritte und vierte Ursache stören mich in besonderem Maße. Hier musste bzw. muss unbedingt etwas geschehen. Welche Sofortmaßnahmen ich ergriffen habe und welche neuen strategischen Überlegungen ich angestellt habe, beschreibe ich im dritten Teil diese Beitrages in der Folge „Neue Wege“.

Gruß
JustDoIt

Zum Weiterlesen:
Erfahrungen eines Anlegers, Teil 1
Erfahrungen eines Anlegers, Teil 3
Erfahrungen eines Anlegers, Teil 4
CrashKurs: Das 1×1 des Vermögensaufbaus